Trends und Themen
Von der Natur leben, ohne ihr zu schaden
von Laelia Kaderas
Gemeinsame Agrarpolitik: EU setzt auf ökologische Effekte
Die Landwirtschaft in Europa wird sich stärker als bisher an ökologischen Zielen ausrichten. Die EU hat sich am 26. Juni darauf verständigt, 30 Prozent der Direktzahlungen an Landwirte mit Auflagen zum Umweltschutz zu verbinden (Greening).
So sollen Landwirte ab 2014 beispielsweise für den Erhalt von Dauergrünland sorgen, ökologische Vorrangflächen ausweisen und ihre Fruchtfolge erweitern. Fünf Prozent der Ackerfläche (ab 2018 möglich: sieben Prozent) von Betrieben über 15 Hektar sollen dazu verwendet werden, Lebensraum an Tiere und Pflanzen zurückzugeben – etwa durch Hecken, Bäume, Ackerrand- und Blühstreifen. Zugleich sollen Boden und Wasser geschützt, CO2 gebunden und eine „ökologische Infrastruktur“ aufgebaut werden. Das heißt, Naturvielfalt und Agrarwirtschaft sollen sich gegenseitig stützen. Die EU will dazu auch Monokulturen reduzieren. Ab einer Flächengröße von 30 Hektar muss ein Betrieb verschiedene Kulturpflanzen anbauen. Auf 75 Prozent der Fläche kann jedoch weiterhin Monokultur betrieben werden.
Darüber hinaus sollen mindestens 30 Prozent der Mittel für den ländlichen Raum dazu eingesetzt werden, die Umwelt zu stärken. Davon soll auch die Bio-Landwirtschaft profitieren. Die ist übrigens vom „Greening“ ausgenommen, weil sie per se Ziele des Greenings umsetzt.
Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Naturschutzverbände, Bauern, Imker und viele Verbraucher wollen hingegen eine radikale Kehrtwende der Landwirtschaft. So protestierten beispielsweise am 13. Juli in München mehr als 8000 Menschen und am 19. Januar 2013 in Berlin rund 25.000 Menschen für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Sie sind der Ansicht, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU richte sich vor allem nach den Interessen der Agrarindustrie.
Niedersachsen strebt zurzeit eine Ausweitung ökologisch bewirtschafteter Flächen an. Unter anderem hat die Landesregierung die Prämien für die Umstellung auf ökologischen Anbau sowie für die Beibehaltung von Ökobetrieben angehoben. Eine Übersicht über die Fördersätze Ökolandbau in Niedersachsen und anderen Bundesländern hält das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bereit.
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) wird alle sieben Jahre reformiert. Die neue Periode dauert von 2014 bis 2020. Verhandelt wird zwischen dem Europaparlament, der Europäischen Kommission und dem Rat der Agrarminister („Trilog“). Grundlage sind die Beschlüsse des Europaparlaments vom 13. März 2013.
Europäische Union (EU): GAP-Reform – Erläuterung der wichtigsten Aspekte
Reaktionen auf die GAP-Reform:
BUND: Deutschland muss Spielräume voll ausnutzen
BÖLW: Ein Richtungswechsel, der Folgen haben muss
Nabu: Überfälliger Kurswechsel mit gravierenden Schönheitsfehlern
Slowfood Deutschland: Ziele einer grüneren, jüngeren und kleinbäuerlichen Landwirtschaft nicht erreicht
Bioland: Weitere Verbesserungen zur Ökologisierung gefordert
Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft (AbL): Bund und Länder müssen nun Flagge zeigen
Demo in München „Mir hams satt“: Pressemitteilung Bund Naturschutz und Umweltinstitut München e.V.
Foto: © Laelia Kaderas
