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Soja made in Germany

von

Klimaangepasst und gentechnikfrei

Heimisches Soja
Heimisches Soja. © BLE / Thomas Stephan

 

Das Bratöl in Ihrer Küche ist vielleicht aus gentechnisch verändertem Soja hergestellt. Vielleicht auch Ihre Margarine, Ihr Tofu, Ihre Sojasauce. Oder Ihr Sojamehl, Ihr Sojadrink, Ihre Sojaschnetzel, falls Sie an Milchunverträglichkeit leiden oder vegan leben. Produkte aus Soja finden sich nicht nur in den Regalen der Supermärkte und Asiashops. Das meiste Soja kommt als Futtermittel nach Deutschland – von weit her.

Forscher wollen nun dazu beitragen, dass Sojabohnen in der heimischen Landwirtschaft eine größere Rolle spielen können. Neue Züchtungen zielen auf die klimatischen Bedingungen in Deutschland ab.

Schon heute ist die Nachfrage nach „genfreier“ heimischer Futter- und Speisesoja groß – und sie wird zunehmen. Allein um Tiere aus ökologischer Haltung in Deutschland zu ernähren, muss derzeit ein Viertel der Bio-Eiweißpflanzen importiert werden. Ab 2015 schreibt die EU für die ökologische Tierhaltung 100 Prozent Bio-Futter vor. 

Außer dass Soja gut nährt hat es den Vorteil, dass es die Böden verbessert. 

Ein Verbundforschungsvorhaben nimmt sich deshalb nun der Leguminosen an. Es sollen Sojasorten gezüchtet werden, die mit dem hiesigen Klima gut zurecht kommen. Bereits heute** wächst Soja deutschlandweit auf gut 5000 Hektar Fläche [**aktualisiert am 1. November 2020: Im Jahr 2019 waren es laut Bundesinformationszentrum Landwirtschaft 29.000 Hektar]. Das aber ist nichts angesichts der rund 3 Millionen Tonnen Sojabohnen, die jährlich aus Brasilien, Paraguay und den USA nach Deutschland kommen (2011: 3,1 Millionen Tonnen) [aktualisiert am 1. November 2020: Import von 5,8 Millionen Tonnen].

Die Landessaatzuchtanstalt an der Universität Hohenheim experimentiert zurzeit mit Öko-Sojabohnen, die bei gleichem Ertrag und hohem Eiweißgehalt zwei Wochen früher als heute erntereif sind.

Die Kälteempfindlichkeit der subtropischen Pflanze ist nicht die einzige Herausforderung. In Deutschland gibt es zu wenig Toastereien, die die Sojabohnen so aufschließen, dass sie als Tierfutter verträglich sind. Die Transportwege zu den großen Anlagen sind mitunter weit. Im Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Deutschland e.V.) widmen sich deshalb Agrartechniker der Konstruktion von preisgünstigen Kleintoastereien.

Doch auch wenn es gelingt, Öko-Soja in Mitteleuropa heimisch zu machen und gewinnbringend zu vermarkten, wird „Deutschland wohl nie Soja-Selbstversorger werden“, sagt Dr. Volker Hahn von der Landessaatzuchtanstalt. „Dafür ist die Nachfrage viel zu groß“.

 

Hintergrundinformationen zur Züchtung von klimaangepassten Öko-Sojabohnen: www.sojainfo.de

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE):
Schaubild Anbau von Soja in Deutschland und weltweit [aktualisiert am 1. November 2020: Übersicht vom 10.2.2020]

Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Soja – Nahrungsmittel für Tier und Mensch

Ansprechpartner für das Forschungsprojekt: 
Dr. agr. Klaus-Peter Wilbois, Leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter,
 
 
 
Foto: © BLE / Thomas Stephan
  

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