Trends und Themen

Mit Schafhaltern Zäune bauen

von Laelia Kaderas

Arbeitseinsätze sollen Koexistenz von Mensch und Wolf fördern

Ein WikiWolves-Team baut und vertieft Zäune, um Herden gegen Wölfe zu schützen.
Ein WikiWolves-Team legt Hand an. © Christine Paetzold / WikiWolves

 

Wer Schafe und Ziegen besitzt, steht Wölfen oft mit Ablehnung gegenüber. Die Halter fürchten um ihre Tiere, beklagen finanzielle Verluste und sehen zeitaufwändige Aktivitäten zum Schutz ihrer Herden auf sich zukommen. Überall, wo Wölfe gesichtet werden, wird die Diskussion emotional geführt.

Um Tierhalter pragmatisch zu unterstützen und zugleich Wölfen den Lebensraum zu erhalten, haben sich Berufstätige und Studierende zusammengetan: Über die Plattform WikiWolves stellen sie ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Als Freiwillige packen sie z.B. beim Bau von Herdenschutzzäunen an. Oder flicken gerissene Netze.

Zum ersten Mal waren Freiwilligen-Teams 2015 in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein unterwegs. Seither wächst das Netzwerk kontinuierlich.

Neben den finanziellen Hilfen durch das Wolfsmanagement der Bundesländer gibt es für Nutztierhalter so zusätzlich tatkräftige Unterstützung beim Herdenschutz. Während der Staat z.B. durch Präventionsmaßnahmen und durch Kompensationszahlungen bei Haustierrissen Einbußen mindert, gleichen die Freiwilligen von WikiWolves den zeitlichen Mehraufwand aus. All dies soll die Koexistenz von Mensch und Wolf erleichtern.

Grundsätzlich geht es beim Herdenschutz darum, es Wölfen möglichst schwer zu machen, Herdentiere zu reißen. Der Zustand der Zäune ist hierfür wesentlich. Weder Buddeln noch Überspringen noch Durchzwängen sollen möglich sein. Auch natürliche Barrieren wie Wassergräben, die zwar für die Nutztiere, nicht aber für Wölfe ein Hindernis darstellen, müssen mit Zäunen gesichert werden.

Einen sehr wirksamen Schutz stellt die Kombination von Zaun und Herdenschutzhunden dar. Auch Esel, Lamas und Alpakas schrecken Wölfe ab; ihre Haltung erfordert jedoch Fachkenntnis und Zeit. Esel haben ein ausgezeichnetes Gehör und warnen frühzeitig mit lauten Geschrei. Außerdem verteidigen sie sich und die Herde durch Treten und Beißen.

 

Das Netzwerk an Freiwilligen ist derzeit im Aufbau, so dass die zeitlichen Kapazitäten noch begrenzt sind. „Das soll Sie nicht davon abhalten, sich an uns zu wenden, wenn Sie Bedarf an Unterstützung haben, kurzfristig oder langfristig“, werden Herdenhalter ermuntert, das Angebot in Anspruch zu nehmen.

Gleichzeitig wirbt WikiWolves um weitere Freiwillige und um Einsatzbetreuer – in allen Regionen Deutschlands. Bislang sind die Teams vor allem im Norden unterwegs. In neun Bundesländern gibt es regionale Ansprechpartner.

 

Vertiefende Information und Kontakt: www.wikiwolves.org

 

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